Den Kopf freikriegen

Ein leeres Dokument auf dem PC. Der Cursor blinkt anklagend, die Tastatur wartet darauf, berührt zu werden.
Im Kopf: Ideen. Vage. Nicht ausgereift, nicht gut genug, zu weit weg, um zu begeistern.

Ich will schreiben! Aber kein einziges Wort lässt sich auf Papier bannen.

Keine Sorge, das muss nicht gleich eine handfeste Schreibblockade sein. Manchmal hat man einfach Tage, an denen nichts geht. Dann verknoten sich die Gedanken, oder sie verschwinden einfach und lassen im Angesicht des Schreibprogramms nur summende Leere und undeutliche Schuldgefühle zurück.

Was tun?

Inspiration kommt von überall. Das Internet ist voll von Writing Prompts und dergleichen, man kann sich also ein Thema vorgeben lassen. Oder man klickt sich auf Wikipedia und ähnlichen Seiten von Link zu Link, liest alles, was einem interessant vorkommt. Musik kann Inspiration sein, oder ein gutes Buch.

Nur – das reicht nicht immer. An einigen Tagen ist der kreative Speicher einfach leer.

Klar, man will schreiben. Ich als Hobby-Autorin habe keine Abgabetermine, dennoch setze ich mich sehr unter Druck. Ich muss schreiben, um mit mir zufrieden zu sein. Wenn ich dann am Schreibtisch hocke und nichts zustande bringe, macht mich das unglücklich, frustriert und unzufrieden.

Diese negativen Gefühle führen dazu, dass man gewissermaßen verkrampft. Stellt euch an dieser Stelle einen Autor vor, der mit gerunzelter Stirn und gefletschten Zähnen über seinem Block sitzt und den Stift so fest umklammert hält, dass die Knöchel weiß hervortreten. Er hat feine Schweißtropfen auf der Stirn, der Rücken ist gebeugt, die Augen zu Schlitzen verengt. Sein Atem geht stoßweise, er will, nein, er muss ein paar Wörter aus sich herauszwingen! Er selbst besteht darauf, versucht, seine Kreativität aus den Ritzen seines Gehirns zu quetschen und zu schreiben. Krampfhaft.
Das ist anstrengend. Es kostet Kraft und verfilzt unser Gehirn. Es macht unglücklich.

Wie bekommt man dann den Kopf frei? Und frei wovon – von der absoluten Leere? Das ist gar nicht so einfach.

Gelegentlich braucht man schlicht und ergreifend eine Pause. Einen Spaziergang, mit oder ohne Musik. Eine ausgedehnte Back-Session. Sport. Kaffeetrinken oder telefonieren mit Freunden. Hauptsache, man denkt mal für ein paar Stunden nicht über die Schreiberei nach.

Wenn ich große Projekte schreibe, lösen sich Plotknoten am besten auf einem langen Spaziergang oder einer Radtour. In den Zeiten zwischen Großprojekten, wenn ich mich auf Kurzgeschichten fokussiere und dergleichen, füllt ein bisschen Zeit ohne Schreiberei meinen kreativen Speicher wieder auf. Eine beobachtete Szene in der Innenstadt kann als Inspiration dienen, die Art, wie der Nebel über dem Fluss wabert, ein Wasservogel im Landeanflug. Das Wichtigste ist, innere Ruhe zu finden.

Wenn also unser verkrampfter Autor es schafft, den Stift loszulassen – seht ihr, wie viel Mühe es ihn kostet, die Muskeln zu lösen? – und seinen Schreibtisch zu verlassen, um einen Spaziergang zu machen, dann kann sich alles wieder entspannen. Sein Rücken, der vom langen Kauern wehtut. Seine Muskeln, die stundenlang angespannt waren. Sein Gehirn, das sich ebenfalls verkrampft hat.
Und wenn er von seinem Spaziergang zurückkommt, wird es ihm besser gehen. Vielleicht hat er die Lösung für sein Problem gefunden. Vielleicht hat er Inspiration für eine neue Kurzgeschichte entdeckt.
Vielleicht hat er sich auch damit abgefunden, dass manche Tage einfach keine Schreibtage sind. Dafür gibt es andere Tage, an denen man über sich hinauswächst und ganze Universen erschafft.

Alles hat seine Zeit. Schreiben, ja. Aber auch Entspannung. Über all den Zielen, die man sich als Autor setzt, all den Erwartungen, die man erfüllen will, darf man nicht vergessen, dass man ein Mensch ist. Und Menschen brauchen ab und an ein bisschen Zeit für sich.

Wie füllt ihr euren kreativen Speicher wieder auf? Was macht ihr an Tagen, die einfach keine Schreibtage sind?

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