Den Alltag entschleunigen

Wer kennt ihn nicht, den Alltagsstress?

Die Arbeit erfordert volle Konzentration, der Wocheneinkauf will gemacht werden, Wäsche wäscht sich nicht selber, der Abwasch wartet in der Spüle. Dazu die selbstauferlegte Verpflichtung, heute noch mindestens 1667 Wörter zu schreiben. Sport will man auch machen, ist ja gesund, und wo wir grade bei gesund sind – kochen steht auch noch auf dem Plan.

Einige Tage sind einfach voller, als sie sein dürften. Wir sind im Dauerstress, ständig erreichbar, ständig auf Zack, ständig muss noch irgendwas erledigt werden.

Und Stress macht krank.

Stress erhöht das Risiko für so ziemlich alle Krankheiten. Er schwächt das Immunsystem, macht uns anfälliger für Erkältungen und virale Infekte, für Bluthochdruck und damit für Schlaganfälle und Herzinfarkte. Er greift unseren Magen-Darm-Trakt an und unsere Psyche und lässt uns erschöpft und ausgebrannt zurück. Dass unsere Smartphones, so praktisch sie auch sein mögen, zum Dauerstress beitragen, das ist nichts Neues.

Gerade um diese Zeit im Jahr bemerke ich auch an mir vermehrt Zeichen von Stress. Ich bin reizbar, habe entweder keinen Appetit oder esse alles, was in meiner Nähe ist, werde schneller krank, meine Arthritis macht sich bemerkbarer und ich bin weniger belastbar. Der NaNoWriMo – den ich sehr liebe! – fügt meinem ohnehin vollen Alltag einen zusätzlichen Stressfaktor hinzu. Einen, den ich auf gar keinen Fall missen möchte.

Ich setze mir gern Ziele, wie z.B. drei Mal in der Woche eine halbe Stunde Sport zu machen. Sport ist gesund, hilft gegen Stress – und das Erreichen dieses Ziels kann selbst in Stress ausarten.

Eine Schreibpause ist momentan nicht drin, das ist ganz klar. Nicht im November. An meiner Arbeit kann ich auch nichts ändern, Krankenpflege ist eben oft anstrengend. Und solange ich weiterhin die Einzige mit einem Führerschein bin, mache ich auch weiter den Wocheneinkauf.

Wie also den Alltag entschleunigen?

Es gibt unzählige Möglichkeiten, ein bisschen Entspannung in seinen Tag zu bekommen. Spaziergänge sind meine liebste Variante. Einfach mal eine Stunde lang durch die Gegend laufen, am besten natürlich in der Natur, und an nichts denken. (Hilft übrigens auch bei Plotproblemen.) So was schafft man nicht jeden Tag, klar, aber einmal die Woche ist realistisch. Das Wetter zählt übrigens nicht als Ausrede! Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlecht angezogene Menschen, und sich mal so richtig von einem Herbststurm durchpusten lassen, das befreit die Seele von allem!

Radtouren sind auch super, haben – zumindest bei mir – aber immer einen sportlichen Charakter. Ich will ins Schwitzen kommen, meine Bestzeiten unterbieten, solche Sachen. Ich mache mir also selber Druck, und genau das ist in diesem Moment nicht der Sinn der Übung.

Früher wurden mir Mandalas empfohlen. Ich stehe bis heute sehnsüchtig vor diesen Mandalas für Erwachsene-Büchern und den schönen Stiften und bin oft kurz davor, mir so etwas mal zu gönnen. Doch dann denke ich Und was fange ich mit den ausgemalten Mandalas an? Ich werde sie bestimmt nicht aufhängen, und wenn ich sie wegwerfe, ist es die reine Papierverschwendung. Was nicht heißt, dass ich die Leute verurteile, die Mandalas ausmalen und sich gut fühlen damit! Für mich persönlich ist es einfach nichts.

Da komme ich mit Handarbeiten besser zurecht, so sie einem Zweck dienen. Ich sticke seit Jahren an einer Tischdecke herum, nicht unbedingt zielführend, aber sehr entspannend und wenn sie eines Tages fertig ist, hat sie einen praktischen Nutzen. Die Arbeit mit der Nähmaschine funktioniert nur halbwegs als Entspannungsmaßnahme – ich will, dass das Ergebnis mindestens perfekt ist, wenn nicht besser.

Die Herstellung von Naturkosmetika und natürlichen Putzmitteln hat für mich etwas Meditatives. Es riecht gut, dient einem guten Zweck und entschleunigt zwingendermaßen. Egal, wie sehr man es sich wünscht, eine Flüssigkeit kühlt nur so schnell ab, wie sie eben abkühlt.

Und natürlich ist es unfassbar gemütlich und entspannend, bei grauem Wetter mit einem Buch und einer Tasse mit dem Lieblingsheißgetränk auf dem Sofa zu sitzen und zu lesen!

Handarbeiten, Kosmetika, das ist jetzt nicht jedermanns Sache. Yoga und progressive Muskelentspannung (womit man mich jagen kann!) auch nicht. Was es zuhauf gibt, sind kleine Achtsamkeitsübungen, die sich einfach in den Alltag integrieren lassen und nicht viel Zeit kosten, da ist sicher für fast jeden das Richtige dabei.

Eine wundervolle Übung ist auch, ohne Smartphone und ohne Armbanduhr in die Stadt zu gehen. Ein entspannter Schaufensterbummel, ohne ständig auf die Zeit zu gucken – oder auf das Handydisplay. Das ist erstmal eine Herausforderung, wir sind nämlich daran gewöhnt, immer erreichbar zu sein und immer einen durchgetakteten Plan zu haben. Aber es tut so gut, dem mal ganz bewusst zu entfliehen! Denn, seien wir ehrlich: die meisten Nachrichten, die wir geschickt bekommen, können auch in einer oder zwei Stunden gelesen werden und erfordern keine sofortige Reaktion, und wenn wir gemütlich durch die Innenstadt schlendern, müssen wir nicht wissen, wie spät genau es ist.

Oft kommt dann das Argument: Ja, aber ich denke einfach nicht dran. Am besten, ich speichere es in mein Handy und lasse mich daran erinnern.
Prinzipiell sicher nicht falsch, aber wollt ihr das wirklich? Soll der ewige Begleiter Smartphone jetzt nicht nur den Alltag, sondern auch die Entspannung dominieren?
Ich habe selber meine Yoga-App, das will ich gar nicht leugnen. Aber es ärgert mich doch gelegentlich, dass ich selbst dafür mein Handy brauche. Zum Entstressen ist nichts so hilfreich, wie das Ding einfach mal auszuschalten.

Im Allgemeinen gilt: Entspannung und Entschleunigung muss ohne Druck geschehen. Wenn man sich krampfhaft zum Ziel setzt, jeden Tag zwei Kapitel zu lesen, drei Achtsamkeitsübungen zu machen, einen Spaziergang und ein Mandala, dann verursacht man sich mehr Stress, als man wegnimmt. Nicht jede Methode ist für jeden geeignet, man muss selber herausfinden, was hilft und was nicht. Hauptsache, man setzt sich nicht unter Druck dabei. Dann hat man es in dieser Woche eben nur einmal geschafft, spazieren zu gehen, statt der geplanten zwei Mal. Na und? Ist besser als nichts, und der eine Spaziergang hat schon gut getan.

In dieser hektischen Zeit haben viele Menschen verlernt, sich zu entspannen. Dabei ist es so wichtig, sein Stresslevel zu reduzieren! Und man kann es neu lernen. Man muss nur dranbleiben. Jede Woche ein kleines bisschen, und irgendwann integrieren sich Zeiten für Entspannung ganz von selbst in den Alltag.
Langfristig hilft es in allen Belangen des Lebens, ob nun bei der körperlichen und geistigen Gesundheit, im Job – oder bei den verflixten 50.000 Wörtern, die diesen Monat anstehen.

Wie macht ihr das? Was sind eure Tipps und Tricks, um die Hektik aus dem Tag zu bekommen und den Stress zu reduzieren?

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