Wo ist Weihnachten?

Wo ist Weihnachten geblieben?

Nicht das Datum – das steht ja in jedem Kalender und nähert sich mit großen Schritten. Wo ist die Stimmung, die damit einhergehen sollte. Die Geborgenheit, das langsame Ausklingen des Jahres, das Zur-Ruhe-kommen. Wo ist das alles hin?

Ich bin nicht gläubig. Weihnachten hat für mich wenig mit der Geburt eines Kindes vor über zweitausend Jahren zu tun, und noch weniger mit irgendeiner göttlichen Macht. Der ganze Konsum und Kommerz? Geht mir auf die Nerven. Ich verabscheue die Scheinheiligkeit der Menschen, die zu Weihnachten glauben, etwas Gutes tun zu müssen – tut lieber das ganze Jahr über etwas Gutes! Ich hasse auch das Gedränge auf den Weihnachtsmärkten, die inzwischen fast nur noch aus Fressbuden zu bestehen scheinen.

Weihnachten ist für mich vor allem ein Gefühl. Das Jahr neigt sich dem Ende zu, man kommt zur Ruhe, die Familie kommt zusammen. Alles wird geschmückt und wohnlich und gemütlich gemacht, überall ist Wärme in einer Welt, die immer kälter wird. Ich liebe es, den Baum zu schmücken – meiner ist aus Plastik und wiederverwendbar, aus mehreren Gründen – und ein festliches Essen zu kochen. Dann schönes Beisammensitzen, einfach die Nähe der Familie genießen, wissen, dass ich nicht alleine bin. Geschenke sind mir nicht wichtig, was vielleicht erklärt, warum ich damit so vollkommen überfordert bin.

Dieses Jahr komme ich nicht zur Ruhe. Von vorweihnachtlicher Besinnlichkeit fehlt jede Spur.

Das Wetter spielt nicht mit – draußen sieht es aus und fühlt sich an wie ein Herbsttag – das ist ja nichts Neues. Aber die Stimmung spielt auch nicht mit. Wie auch?
Alles ist angespannt. Die Angst vor der Pandemie beherrscht das gesamte Leben. Wo ist unsere Solidarität, unser Zusammenhalt, in diesen Zeiten? Wenn rechtsradikale Idioten Seite an Seite mit Maskengegnern und Coronaleugnern marschieren, fällt es schwer, zur Ruhe zu kommen und das Jahr entspannt ausklingen zu lassen.
Zusammenrücken ist auch nicht möglich. Ich unterstütze die Kontaktbeschränkungen, aber das heißt nicht, dass sie mir gefallen. Ich weiß um den Sinn des Lockdowns, aber das heißt nicht, dass ich mich darüber freue. Auf die Situation auf meiner Arbeit möchte ich gar nicht erst eingehen.

Und irgendwie ist unter all der Sorge, der Angst und der Verwirrung das Weihnachtsgefühl verloren gegangen.

Aber es ist ja nicht aller Tage Abend. Von einem Mangel an Vorfreude werde ich mich nicht abhalten lassen. Noch mag Weihnachten in der Kiste stecken, aber nicht mehr lange.
Der Baum wird aufgebaut und geschmückt, basta. Es gibt ein gutes Essen, Ende der Diskussion. Und ich bin sicher, dass dann auch ein Gefühl von Weihnachten aufkommt. Wenigstens ein bisschen, und dieses bisschen wird genug sein. Ich werde mich über dieses bisschen so sehr freuen wie über ein ganz normales Weihnachten.

Coronakonforme Feiertage. Immerhin kann man nicht sagen, dass dieses Jahr langweilig war…

Seid ihr schon in Weihnachtsstimmung oder lässt das bei euch auch auf sich warten?

3 Gedanken zu “Wo ist Weihnachten?

  1. ich hoffe du hast ein wenig von deinem weihnachtsgefühl gefunden. mir ging es ähnlich wie dir, genauso wie mein geburtstag, der grade in den zweiten harten lockdown fiel war dieses jahr das wirklich bekannte gefühl nicht verfügbar. aber wer weiß – vielleicht werden wir all das dafür künftig umso mehr schätzen…!

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