Schreibgruppen und -foren

Wenn ich erzähle, dass ich hobbymäßig schreibe, erhalte ich oft schräge Blicke als Reaktion. Die meisten Menschen halten die Schreiberei für ein einsames Hobby – das Bild des Dichters, der allein im stillen Kämmerlein sitzt und an seiner Feder kaut, während draußen das Leben tobt, das er nicht erträgt, scheint weit verbreitet zu sein.

Dabei ist das Schreiben nicht zwangsläufig einsam. Natürlich sitze ich alleine vor meinem PC und tippe; aber das ganze Drumherum, das muss ich nicht alleine machen.

Schreibgruppen haben unbestreitbare Vorteile. Es gibt sie online und im „echten Leben“, und sie dienen dem Austausch über das Schreibhandwerk, der Lösung von Plotproblemen, der Diskussion von Stilfragen und vielem mehr. Vor allem aber motivieren sie ganz ungemein.

Persönlich bevorzuge ich die Onlinevariante. Ich spreche nicht gern mit Menschen über meine Schreibprojekte, die mir direkt gegenübersitzen – mangelndes Selbstbewusstsein, zu wenig Vertrauen in meine Geschichten, ich weiß nicht genau, woran es liegt. Vielleicht finde ich Menschen auch einfach anstrengend und habe lieber Zeit, über meine Antwort nachzudenken, bevor ich mich in meinen eigenen Worten verheddere. Vielleicht habe ich auch einfach noch nicht die richtigen Menschen getroffen.

Es gibt Schreibforen wie Sand am Meer. Für Hobby- und Profiautoren, für Verlagsmenschen und Selfpublisher, für den NaNoWriMo und fürs ganz alltägliche Schreiben. Jedes Forum ist eine eigene kleine Welt, und möglicherweise dauert es ein bisschen, bis man eines gefunden hat, in dem man sich zuhause fühlt und das zu den eigenen Bedürfnissen passt. Aber wenn es dann so weit ist, merkt man schnell, dass die Suche sich gelohnt hat.

Ähnlich ist es bei Schreibgruppen, die sich im echten Leben treffen – momentan natürlich nicht, aber ihr wisst, was ich meine. Sicherlich muss man ein bisschen suchen, schließlich ist der Austausch über die eigene Schreiberei etwas sehr Persönliches. Man möchte nicht jedem Hinz und Kunz seine Gedanken, Sorgen und Probleme anvertrauen, und man kann auch nicht mit jedem x-beliebigen Menschen über Schreibstil und dergleichen diskutieren. Wenn man dann aber eine Gruppe gefunden hat, winkt der Lohn für die Suche.

In Schreibgruppen und Autorenforen wartet nicht nur der Austausch mit anderen Schreibbegeisterten. Man kann sich dort auch weiterbilden, kann über Plottingmethoden lernen, herausfinden, wie andere Autor*innen mit Problemen umgehen, man kann sich gegenseitig unterstützen und in kleinen Events wie WordWars, Schreibtouren und ähnlichem Motivation teilen und kleine Schreibblockaden aufbrechen. Außerdem tut es einfach gut, mit Menschen zu kommunizieren, die genau wissen, wovon man redet, wenn man sagt: „Meine Figuren machen einfach alle, was sie wollen.“ Menschen ohne Schreiberfahrung verstehen diesen Satz erfahrungsgemäß nicht – aber alle Autor*innen wissen genau, was gemeint ist, und können mit Rat und Tat und manchmal auch nur einem offenen Ohr zur Seite stehen.

Es macht einfach Spaß, Zeit mit Gleichgesinnten zu verbringen, selbst, wenn es „nur“ ein Onlineforum ist, und ich möchte den Austausch nicht mehr missen.

Habt ihr Erfahrungen mit Schreibgruppen oder Online-Schreibforen?

2 Gedanken zu “Schreibgruppen und -foren

  1. Liebe Anna, ja, ich habe Erfahrungen mit Gruppen, sowohl ‚life‘ als auch ‚online‘.
    Letztes Jahr war ich bei einer wunderbaren Frau, Brigitte Leeser auf Sylt im Kloppholtal. Das Thema war ‚Schreiben am Meer‘. Sie bietet es dieses Jahr wieder an. Es war für mich, die ich ja auch eher etwas schüchtern bin, eine tolle Erfahrung. Es war ein wunderbarer Austausch und ich habe mich gewundert wie vertraut wir in der Gruppe waren. Das lag wohl sehr an der Leiterin.
    ‚Online‘ habe ich vor Kurzem mit Ulla Janascheck eine wunderbare Erfahrung gemacht zum Thema ‚Soulwriting‘ in einer sehr kleinen Gruppe, wir waren zu Dritt. Das beflügelt mich immer noch und mit Ulla werde ich wohl öfters in die Seele tauchen. https://www.ulla-janascheck.de/soulwriting.html.
    Herzliche Grüße, Susanne

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Susanne,
      das klingt ganz wunderbar! Besonders das „Schreiben am Meer“ weckt in mir Sehnsüchte… Aber auch das Konzept, durch das Schreiben näher zu sich selbst zu finden, gefällt mir sehr gut. Schließlich kommt die Kreativität direkt aus uns…
      Es freut mich, zu lesen, dass du so schöne Erfahrungen gemacht hast!
      LG Anna

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s