#WritingFriday: Geister der Vergangenheit

Er ist endlich soweit, mein allererster Beitrag zu Elizzys wunderbarem Writing Friday!

Hier nochmal die Regeln im Überblick:

Die Regeln

  • Am Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei, lest euch die Geschichten durch und hinterlasst einen Kommentar!
  • Habt Spass und versucht voneinander zu lernen 🙂

Geister der Vergangenheit

Geister gab es doch nun wirklich nicht, aber diese Erkenntnis half mir nur bedingt. Ich hatte sie jetzt schon mehrfach gesehen – keine Geister im üblichen Sinn, natürlich, mit durchscheinenden Körpern und rasselnden Ketten, sondern etwas, das ich nicht richtig einordnen konnte. Eine andere Art Geist, vielleicht. Gab es da mehrere Spezies? Abgesehen davon, dass sie natürlich nicht existierten.

Die Luft war heiß und trocken, der Dunst der Nebelmaschine lag über allem und machte es schwer, zu atmen. Mein Herz hatte es längst aufgegeben, einen eigenen Rhythmus schlagen zu wollen, und hämmerte im Takt mit den Bässen, die drohten, mir neben den Herzklappen auch die Trommelfelle zu zerfetzen. Vielleicht hatte ich ein bisschen zu viel getrunken, denn die Welt hatte ihre Kanten verloren und meine Gedanken ihre Schärfe. Eigentlich dümpelte ich nur so vor mich hin und sah den Gestalten zu, die sich auf der Tanzfläche zu düsteren Klängen wiegten. Schwarze Spitze, aufblitzende Nieten, eng geschnürte Korsagen, verführerisch dunkle Lippen und dazwischen sie, die dunkel umrandeten Augen halb geschlossen. Sie passte gut hierher, mit ihrer hellen Haut und der mühelosen Anmut, mit der sie durch den künstlichen Nebel schwebte. Wer hätte gedacht, dass ich sie je wieder tanzen sehen würde? Der Anblick tat gut, beruhigte die nagende Sorge in mir, die mich jetzt seit fast einem Jahr nicht mehr losließ. Und machte mir gleichzeitig eine Heidenangst, die ich in meinem Drink zu ersäufen versuchte.

Wenn ich die Augen schloss, waren die Geister da. Sie blitzten in meinem Kopf auf, immer nur ganz kurz, und wenn ich die Lider hob, um sie mir im Stroboskoplicht des Clubs genauer anzusehen, waren sie wieder fort. Ich blieb zurück in der aufgeheizten Atmosphäre, die nach Alkohol und Versprechungen roch, und fühlte mich fehl am Platz.

„Lass uns tanzen gehen“, das waren ihre Worte gewesen. „Ich ertrage die Langeweile nicht mehr, und du musst auch dringend mal raus.“ Also waren wir tanzen gegangen. Ich traute mich schon lange nicht mehr, ihr zu widersprechen. Es ging ihr tierisch auf die Nerven, und auch das machte mir Angst. Sie sollte sich nicht aufregen. Das Risiko war zu groß, obwohl sie das natürlich anders sah.

Vielleicht sollte sie auch nicht trinken, jedenfalls nicht in den Mengen, in denen sie die Cocktails in sich hineinschüttete.

Dass ich sie nicht in Watte packen konnte, frustrierte mich fast so sehr wie die Tatsache, dass ich es überhaupt wollte. Warum hatte sie ihre Unbeschwertheit so mühelos zurückgewonnen, während ich jedes Mal krampfhaft nach Zeichen von Müdigkeit an ihr suchte, von Fieber, von Überarbeitung?

Ihr dünner Körper, bis zur Besinnungslosigkeit erschöpft zwischen all den Schläuchen. Das ewige Piepen der Maschinen. Ihr halbherziges Lächeln, für das ihr eigentlich die Kraft gefehlt hatte.

Ich blinzelte die Bilder entschlossen weg. Wenigstens einmal wollte ich mir keine Sorgen um sie machen. Sie selber hatte ja auch keine Angst. Sie konnte unbeschwert und frei durch die Nacht gleiten, als wäre nie etwas passiert. Ich hatte die Albträume.

Andererseits – wenn es bedeutete, dass sie lachen und tanzen konnte, nahm ich dafür auch gern die Geister der Vergangenheit auf mich. Besser, die verfolgten mich, als dass sie ihr die Ruhe raubten. 

3 Gedanken zu “#WritingFriday: Geister der Vergangenheit

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