#WritingFriday: Auf Safari

Es ist wieder Freitag – das heißt, es ist Zeit für den Writing Friday der tollen Elizzy!

Hier nochmal die Regeln im Überblick:

Die Regeln

  • Am Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei, lest euch die Geschichten durch und hinterlasst einen Kommentar!
  • Habt Spass und versucht voneinander zu lernen

Die Aufgabe, die ich mir für diesen Freitag ausgesucht habe, lautet:
Hendrik kommt in Südafrika an – er hat sich für eine Safari angemeldet. Er schreibt seine Erfahrungen und Gedanken über diesen 3-Wöchigen Urlaub in sein Reisetagebuch. Lass uns einen Blick hineinwerfen.


Auf Safari

Tag 1
Zehn Stunden Flugzeug, fünf Stunden Bus und für was? Im Prospekt hieß es „Luxus-Hotel“, und die Fotos sahen gut aus, nur leider hat niemand erwähnt, dass das wohl Aufnahmen von 2005 waren oder so. Hier ist alles ramschig und alt und verflixt heiß. Hab jetzt schon keine Lust mehr. Nur am Schwitzen. Und Angela noch so „Aaach, das wird bestimmt voll romantisch!“ Pah, wenn die mich jetzt sehen könnte, was hätte die für einen Spaß. Alte Hexe. Die fehlt jetzt hier grade noch.
Warum muss der Scheiß eigentlich drei Wochen dauern?

Tag 2
Okay, also es gibt einen Pool in diesem Pseudo-Luxus-Hotel, den hätte ich gern ausprobiert, aaaaaber wir sind heute um halb Acht schon weitergefahren. Ab auf Safari, dafür haben wir schließlich bezahlt. Also ging’s mit einem Bus ohne Sicherheitsgurte über ruckelige Pisten durch staubige Ebenen, und jetzt sind wir auf einer Ranch und jemand hat für den Abend eine Tanzvorführung angedroht.
Angie hätte das bestimmt ganz romantisch gefunden. Dumm nur, dass sie nicht hier ist.
Tiere hab ich übrigens noch keine gesehen. Die gibt’s angeblich morgen, wenn wir in Kleingruppen von der Ranch in die Wildnis fahren. Na, ich freu mich.

So. Jetzt erklingen von draußen irgendwelche Trommeln, und ich befürchte fast, dass ich, um an ein Abendessen zu kommen, da raus muss – um die restlichen Touris kennen zu lernen und so Mist…

Tag 5
Das waren ein paar nicht sehr erbauliche Tage hier draußen. Niemand hat mir gesagt, wie kalt es nachts in Südafrika wird! Unverschämt. Den ganzen Tag am Ölen wie blöde und die ganze Nacht am Frieren, und die Natur macht auch ständig Geräusche.
Ich weiß gar nicht, was mich am meisten nervt, aber schlimmer als die Fliegen sind eigentlich nur die anderen Touristen. Das sind alles so unglaublich glückliche Pärchen, die diesen Scheiß hier gebucht haben. Und ein paar Rentner. Gestern Abend gab’s für alle Candle Light-Dinner – tja, Angela, wärste halt mitgekommen, hätte dir bestimmt gefallen. Aber Madame musste ja mit ihrem Masseur durchbrennen. Selbst Schuld. Jetzt sitzt sie im grauen Deutschland und ich habe hier einen Mordsspaß auf Safari. … Na ja. Zumindest bin ich hier und sehe mal was anderes.
Apropos sehen, die letzten Tage über sind wir immer wieder in Kleingruppen mit offenen Jeeps losgefahren, um Wildtiere zu beobachten. Ist schon krass, wie sehr eine Gruppe Senioren sich über den Anblick eines Löwenrudels freuen kann, das eine Babygazelle zerfleischt! Ich hab ein paar schöne Fotos gemacht, die werde ich Angie vielleicht unter die Nase halten, wenn ich zurückkomme. Falls ich zurückkomme – für morgen früh ist die Weiterfahrt ins nächste Hotel angedacht, und ich weiß nicht, ob ich noch so einen Tag auf Schotterpisten überstehe.

Tag 8
Ein erholsames Wochenende im Hotel geht vorüber. Diesmal war die Unterkunft nicht so grottenschlecht, sondern tatsächlich ihre vier Sterne wert. Ich hab kurz überlegt, einfach hierzubleiben, aber dann hätte ich so viel umbuchen und neu zahlen müssen, das hätte sich nicht gelohnt. Trotzdem hat die Erholungsphase wirklich gut getan, und ich konnte mich mit gutem Gewissen vor dem Rest der Reisegruppe verschanzen. So hab ich nur beim Essen ab und an mal komische Blicke zugeworfen bekommen.
Was die wohl glauben, wer ich bin? Ganz alleine, ohne Freundin, ohne Freunde, immer für sich. Aber zu fragen traut sich keiner. Typisch. Glotzen nur, wenn sie denken, ich merk’s nicht, und tuscheln hinter meinem Rücken.
Hey, sollen sie doch. Kann mir doch egal sein! Ich bin nur hier, weil ich keine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen hatte und es nicht einsehe, die ganze Kohle in den Wind geschossen zu haben. Ausgesucht hat Angela sich den Mist hier. Vor der Sache mit dem Masseur, versteht sich.
Und morgen geht’s auf die nächste Ranch, hurra. Angeblich kann man da Elefanten sehen.

Tag 10
Meine Sonnencreme ist alle. Meine Sonnencreme! Alle! In Südafrika AUF SAFARI! Das ist echt nicht fair.
Maren und Harri haben mir selbstverständlich was von ihren Vorräten abgegeben. Maren und Harri sind ein älteres Ehepaar, sie wohnen in der Hütte direkt neben mir im Camp, sind auf aufdringliche Weise freundlich und fotografieren alles, was sich bewegt, inklusive meiner Wenigkeit. Zeigen die das dann zuhause ihren Enkeln und Freunden? „Da, guckt mal, das war der Hendrik – so ein Idiot, der nicht genügend Sonnencreme eingepackt hat, ha, ha!“
Ansonsten ist es hier tatsächlich ganz nett. Bin mal gespannt, morgen geht’s auf Elefantensafari. Vielleicht wird es doch irgendwie noch schön. Auf jeden Fall freue ich mich, dass Angie nicht mit dabei ist – ihr langes Gesicht beim Anblick der Duschen hätte mir bestimmt die Laune verdorben.

Tag 11
Es ist SO FRÜH am Tag! Kein Mensch sollte um diese Uhrzeit schon auf sein. Aber wie sich herausstellt, sind Maren und Harri nicht nur sehr freundlich zu schlecht vorbereiteten Mit-Touristen, sondern haben auch die halbe Nacht lang ziemlich lauten Rentner-Sex. Ich wette, wenn ich gleich rausgehe zum Frühstück, grinsen sie in die Runde und tun so, als hätte nicht das ganze Camp gehört, was da die Nacht über abging. Ich mein, ist ja schön, dass die ihren Spaß haben, aber nicht auf Kosten meines Schlafs!

Tag 11, wesentlich später
Okay, wir haben Elefanten gesehen. Elefanten. ELEFANTEN! Das war schon ziemlich cool und auch ein bisschen beängstigend. Einer ist ganz nah an den Jeep rangekommen, in dem ich saß, und hat uns sehr genau beäugt. Wollte wohl wissen, was da so in seinem Revier rumgeistert. Oder in ihrem? Sind ja meistens Weibchengruppen, hat der Ranger erzählt. Ha, das fände Angie echt gut. Die verpasst schon was – so eine Massage ist NICHTS gegen die ehrfürchtige Angst, die einen durchfährt, wenn man einem echten, wilden Elefanten Auge in Auge gegenübersteht!

Tag 13
Ich hatte es fast verdrängt, aber heute schlafen wir alle draußen.
Ja, draußen. Im Busch. In Zelten. Ohne Strom, ohne fließendes Wasser. Hurra. Oh, wie gut, dass Angie nicht hier ist, sie fände das alles SO ROMANTISCH, bis sie nachts in die Büsche pinkeln müsste…
Die anderen Touristen finden das auch alles ganz klasse. Ich hoffe, Maren und Harri halten sich ein bisschen zurück. Das fehlt mir grade noch.

Tag 14
Also, der Nachthimmel hier sieht schon sehr schön aus. Das hab ich gestern wieder festgestellt. Es gibt ungefähr eine Millionen mehr Sterne als bei uns im langweiligen Deutschland. Harri und Maren haben auch geschlafen, also haben wir nur Löwen brüllen hören oder was das für Viecher waren. Was ein Glück, dass die Ranger sich um alles Lebenswichtige gekümmert haben – so Sachen wie Essen, Wasser und nachts das Lager zu bewachen – denn die deutschen Pärchen in der Gruppe beklagen sich grade vor allem darüber, wie kalt ihnen war, und die deutschen Rentner diskutieren, wessen künstliche Hüfte die Nacht im Freien besser überstanden hat. Ich werd noch irre hier, aber ich glaube, da kocht grade jemand Kaffee. Das könnte helfen. Andererseits kreischt da auch eine der jungen Frauen. Hat wohl eine Spinne oder so gefunden. So was. Und das in Afrika.

Tag 18
Nach ein paar Tagen auf der Ranch mit täglichen Ausflügen, um wilde Tiere zu sehen, sind wir wieder im Hotel und können die letzten Tage unseres Urlaubs genießen – mit echten Betten, einem Pool und Nachtschlaf, der weder von riesigen, lauten Viechern noch von Harri und Maren gestört wird. Ich bin begeistert. Außerdem ist das Essen hier richtig gut! In den Pudding könnt ich mich reinsetzen. Habe aus purer Bosheit eine Postkarte gekauft, auf der sich ein Löwe vor dem Sonnenaufgang (oder Untergang?) streckt, und sie Angie geschickt.

Tag 19
Das mit dem Pudding war keine gute Idee. Aber Maren und Harri haben auch was gegen Durchfall und Übelkeit dabei. Entweder es hilft, oder ich werde hier einfach sterben, fern von der Heimat und fern von der Frau, die ich liebe und die mich für einen Masseur hat sitzen lassen.

Tag 21
Oh, Gott sei Dank, es geht nach Hause. Nur noch vierundzwanzig Stunden Bus, Flieger, Wartezeit und so, dann kann ich in mein eigenes Bett fallen. Die Pillen von Harri und Maren haben geholfen, gestern ging’s mir schon besser und heute fühle ich mich ganz vernünftig. Die Vorfreude auf die Heimat überwiegt fast das Grauen vor der Busfahrt.
Bin ja mal gespannt, was Angela sagt, wenn ich nach Hause komme. Hätte sie bestimmt nicht gedacht, dass ich den Urlaub dann halt ohne sie mache. Aber hey – such is life. Und irgendwie bin ich schon froh, dass ich hier war. Eigentlich war’s gar nicht so doof.

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