#Writing Friday: Was wirklich zählt

Ein neuer Freitag – ein neuer Writing Friday!

Die Regeln

  • Am Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei, lest euch die Geschichten durch und hinterlasst einen Kommentar!
  • Habt Spass und versucht voneinander zu lernen

Die Aufgabe, auf der die heutige Geschichte basiert, lautet: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Der Himmel verdunkelte sich und…” beginnt.
Was nun die Geschichte an sich angeht, so findet mein wundervoller, geduldiger Mann sicherlich die eine oder andere vertraute Komponente… 😉 Viel Vergnügen beim Lesen!


Was wirklich zählt

Der Himmel verdunkelte sich und mit ihm Jackies Laune. Das fehlte jetzt grade noch, ein Gewitter mit Starkregen. Sie ließ sich tiefer in den Beifahrersitz rutschen und verschränkte die Arme vor der Brust. Unfair war das.
Marc warf einen Blick zur Seite und seufzte schwer, als er sie so dasitzen sah. „Jackie“, fing er an, in diesem Tonfall, der deutlich machte, dass er sich mit den Zähnen an der Geduld festhielt. „Hör auf, zu schmollen. Davon wird nichts besser.“
„Ich schmolle nicht“, schnappte Jackie. Die ersten Regentropfen schlugen schon auf die Frontscheibe. „Ich habe schlechte Laune. Das ist ein Unterschied.“
Und konnte man es ihr verdenken? Sie arbeitete jeden Tag bis zum Umfallen. War es da zu viel verlangt, dass das einzige Wochenende, an dem sie frei hatte, schön wurde? Scheinbar ja. Es hatte damit angefangen, dass das Kaffeepulver alle gewesen war, und seitdem hatte der Tag sich nicht nennenswert verbessert.
„Ich wollte nur ein paar schöne Stunden am Strand!“, jammerte sie und ruckte mit dem Kopf in die Richtung der Wolkenbank, die sich direkt vor ihnen zusammenbraute. „Das muss doch möglich sein!“
Marc seufzte erneut. „Ich kann’s nicht ändern“, erinnerte er sie geduldig. „Niemand kontrolliert das Wetter.“
„Das ist nicht fair.“
Schon wieder ein Seufzer. „Nein, ist es nicht.“ Mit einer routinierten Bewegung schaltete Marc die Scheibenwischer an. „Vielleicht zieht es ja vorbei“, hoffte er.
Jackie schnitt ihm eine Grimasse und sah zu, wie die Welt um sie herum dunkler wurde. „Garantiert nicht. Bei meinem Glück!“
Marc sparte sich einen Kommentar dazu. „Im Handschuhfach ist ein Schokoriegel“, sagte er stattdessen.
„Ich hab keinen Hunger!“
„Natürlich nicht.“

Ein paar Minuten schwiegen sie, während der Radiosender sich mehr und mehr in statisches Rauschen verabschiedete. Schließlich schaltete Jackie das Ding aus. Verdammtes Wetter. Dabei konnte sie die Dünen schon sehen, vorn am Horizont! Es hätte so schön sein können. „Warum fahren wir überhaupt weiter?“, maulte sie, als sie die Stille nicht mehr ertrug. Wieso war Marc so ruhig? Der hatte doch auch nicht mehr frei als sie! „Lohnt doch überhaupt nicht.“
Trotzdem drehten sie nicht um. Der Regen wurde stärker, bis sie die Straße trotz der Scheibenwischer kaum noch sehen konnten. Dann peitschte der erste Blitz über den Himmel. Donner grollte, noch fern, doch bestimmt mit der festen Absicht, näher zu kommen und Jackies freien Tag weiter zu ruinieren. Eine Windbö drückte das Auto zur Seite. Marc musste gegenlenken. Er blieb ganz ruhig dabei, die Augen auf die Straße gerichtet. Mit seiner konzentriert gerunzelten Stirn sah er aus, als grübelte er über ein schweres philosophisches Problem nach. Nichts brachte ihn so schnell aus der Ruhe, schon gar nicht ein bisschen Wind.

Der öffentliche Parkplatz war längst völlig verschlammt. Jackie schürzte die Lippen, als Marc trotzdem den Blinker setzte. „Willst du da wirklich drauffahren?“, fragte sie. „Wir bleiben bestimmt stecken.“
„Ach was.“ Aber er parkte so nah an der Straße wie möglich.
Und dann saßen sie da, während der Regen auf das Autodach prasselte. Ohne Scheibenwischer lief das Wasser in Strömen an den Fenstern hinab. Jackie zog die Knie ans Kinn und blickte trübselig nach draußen. Wenn sie sich anstrengte, konnte sie den kleinen Weg erkennen, der durch die Dünen hindurch und zum Strand führte. Wie dunkel es mitten am Tag werden konnte! Nur hin und wieder zuckte ein Blitz über den Himmel und erhellte die Landschaft für einen kleinen Moment.

Es war einfach nicht fair. Jackie blinzelte die aufsteigenden Tränen weg und drehte den Kopf zur Seite, damit Marc nicht sah, dass sie wegen ein bisschen schlechtem Wetter fast heulte wie ein kleines Kind.
Dabei war es nicht nur ein bisschen schlechtes Wetter. Sie hatte sich seit Ewigkeiten auf diesen Ausflug gefreut, und dann fiel alles wortwörtlich ins Wasser.
Marc hielt ihr wortlos ein Taschentuch hin.
„Ich weine nicht“, zischte sie und wischte sich ärgerlich eine Träne von der Wange.
„Nein, du bist nur wütend.“ In seiner Stimme lag ein sanftes Lächeln. Er stupste sie in die Seite, bis sie sich ihm zuwandte, und grinste breit. „Komm schon, machen wir das Beste draus, ja?“
Am liebsten würde sie ihn anfahren, ob er blind und blöd war. Sah er nicht, dass da draußen ein ausgewachsenes Unwetter tobte? Aber sie hörte sich nur kläglich fragen: „Wie denn?“
Sein Grinsen wurde noch etwas breiter. „Los, ab nach hinten.“ Er schnallte sich ab und schaffte es irgendwie, durch die Lücke zwischen Fahrer- und Beifahrersitz auf die Rückbank zu klettern. Da saß er dann und blickte erwartungsvoll zu Jackie. „Was denn, klebst du fest?“
„Wenn du glaubst, dass ich es jetzt mit dir auf der Rückbank-“
Er ließ sie gar nicht ausreden. „Denk nicht immer das Schlechteste von mir. Wir picknicken jetzt.“
Jackie verdrehte die Augen. „Picknicken“, echote sie. „Du spinnst doch.“
„Na, bevor das Essen schlecht wird…“ Einladend klopfte er neben sich auf den Sitz. „Los jetzt.“
Sie zögerte. Aber was brachte es, hier vorne zu hocken und sich den Hals zu verrenken, um ihn anzusehen? Vorsichtig kletterte sie zu ihm auf die Rückbank. „Und jetzt?“
Marc kniete sich hin und beugte sich über die Rückenlehne in den Kofferraum. Er wühlte in der Tasche herum, die sie heute Morgen gepackt hatten, und förderte nacheinander die Decke, die Plastikdosen mit dem Essen und die Flasche alkoholfreien Sekt zutage. „Tada!“, machte er stolz und schüttelte die zusammengefaltete Decke auf. „Fass mal mit an.“
Es war albern und eigentlich hatte Jackie überhaupt keine Lust. Aber weil Marc so fröhlich grinste, gab sie nach und half ihm, die Decke über die Rückbank zu breiten. Nach ein paar komplizierteren Gymnastikübungen hatten sie es geschafft.
Gegen ihren Willen musste Jackie ein bisschen lächeln. Es war schon verrückt, was sie hier machten. Draußen blitzte und donnerte es. Hier drin waren sie trocken und hatten was zu essen. „Okay, ich gestehe, wir könnten es schlimmer haben“, gab sie widerwillig zu.
Es gab belegte Brötchen und kleine Frikadellen, die etwas lasch schmeckten, weil Jackie vergessen hatte, Zwiebeln zu kaufen. Dazu Kekse und Müsliriegel, was beides schrecklich krümelte. Jackie kicherte, als Marc den lauwarmen Sekt zu schwungvoll in die Becher goss und das Getränk überschäumte. „Na lecker“, kommentierte er und biss trotzdem in das Brötchen, das er gerade sektgeduscht hatte. „Schmeckt gar nicht so schlecht“, fand er und prostete Jackie zu.
Sie prostete zurück. Irgendwie war ein Lächeln auf ihre Lippen gekommen, und die Tränen drückten ihr nicht länger die Kehle zu. Es war überhaupt nicht das, was sie sich für heute vorgestellt hatte, aber zu ihrer Überraschung wollte sie nicht länger der ganzen Welt Vorwürfe machen. Es war nunmal, wie es war. Niemand kontrollierte das Wetter.
Natürlich schafften sie es nicht, die Decke wieder so zusammenzufalten, dass sie nicht das halbe Auto vollkrümelten. Marc winkte ab. „Dafür hat der liebe Gott Staubsauger erfunden.“
„Ich glaub nicht, dass das was mit Gott zu tun hat“, gab Jackie zu bedenken und rutschte näher zu ihm. Sie legte den Kopf an seine Schulter und schloss für einen Moment die Augen. „Danke“, murmelte sie.
Auch ohne ihn anzusehen, wusste sie, dass Marc selbstzufrieden grinste. Er drückte ihr einen Kuss auf die Schläfe und frotzelte: „Wusste ich’s doch, dass du nur was zu essen brauchst.“
Spielerisch stieß sie ihm den Ellbogen in die Rippen. „Gar nicht wahr.“
Der prasselnde Regen hatte etwas Beruhigendes. Jackie spürte regelrecht, wie der Frust der letzten Tage und Wochen von ihr abfiel.
„Hör mal“, sagte Marc plötzlich. „Ich glaube, der letzte Donner war nicht ganz so nah. Vielleicht zieht’s doch noch weg. Dann können wir wenigstens ein bisschen spazieren gehen.“
Jackie zuckte mit den Schultern und schmiegte sich enger an ihn. Was kümmerte sie das Wetter, solange sie Marc bei sich hatte? „Und wenn nicht, ist es auch nicht so schlimm.“

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