Schreiben als Hobby

Ein Leben ohne Schreiben.

Für manche Menschen ist das ganz gewöhnlich – der Gedanke, eine Geschichte zu Papier zu bringen, ist ihnen so fremd wie die Mondoberfläche.
Für mich ist es eine Herausforderung. In der Zeit zwischen zwei Projekten, wenn die Muse auf sich warten lässt und ich nichts, also wirklich gar nichts zu schreiben habe, merke ich erst, wie wichtig mir dieses Hobby ist.

Wenn ich nicht schreibe, fühle ich mich mit mir selber nicht im Reinen. Etwas in mir gerät aus dem Gleichgewicht, verdreht sich gewissermaßen. Etwas fehlt. So sehr, dass es mich nicht zur Ruhe kommen lässt.

Schreiben ist oft eine Plackerei. Hakende Szenen, Plotlöcher und –knoten, widerspenstige Charaktere, und dann diese Überarbeitungen, die einem den letzten Nerv rauben…! Trotzdem fehlt mir ein wichtiger Bestandteil meines Lebens, wenn ich kein Projekt habe, an dem ich arbeiten kann.

Warum ist das Schreiben so wichtig für mich?

Es ist ein Ausgleich zu meinem Job und zur realen Welt, die mir oft unnötig grausam und hart vorkommt, unvorstellbar grau und unerträglich eintönig. Wenn ich schreibe, bin ich in meiner eigenen Welt, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Was ich zu Papier bringe, gehört mir, und ich mache die Regeln. Gleichzeitig zwingt mich niemand, reale Ereignisse zu berücksichtigen. Meine Projekte gleichen einer kurzen Flucht vor der Welt, einem Mini-Urlaub für mein Herz und mein Hirn, einem Ort, an dem ich emotionale Kraft tanken kann.

Es hilft, meine Gedanken zu ordnen. Oder sie wenigstens für ein paar kostbare Minuten zum Verstummen zu bringen. Wenn ich schreibe, bin ich in Gedanken bei der Geschichte, nicht bei all den Sorgen und Herausforderungen des alltäglichen Lebens. Ich bin dann vollkommen auf die Welt fokussiert, die unter meinen Händen entsteht, und kann das Chaos in meinem Kopf zur Ruhe kommen lassen. Häufig erscheinen mir Dinge nach einer ausgiebigen Schreibsession klarer, oder ich bin kreativ so ausgelaugt, dass ich nicht mehr grübeln muss.

Es bereitet mir Freude, meine Charaktere wachsen und sich entwickeln zu sehen. Zu erleben, wie eine neue Welt erblüht und wie ein Plot sich entrollt. Es ist unglaublich zufriedenstellend, eine gute Geschichte zu schreiben, selbst, wenn sie vorerst niemand liest. Wenn ich am Ende drüberlese und zufrieden bin, pusht das mein Selbstbewusstsein und mindert meine Selbstzweifel.

Es fungiert als Boxsack für meine Gefühle. Mit vielen meiner Charaktere mache ich das, was ich im echten Leben verabscheue – ich lasse meine schlechte Laune an ihnen aus. Nach einem Tag, an dem ich für Dinge angebrüllt wurde, die nicht meine Schuld sind, an dem ich den Kopf für andere hinhalten musste und an dem einfach alles schief geht, habe ich die Wahl. Ich kann meinen Frust in mich reinfressen (schlecht), ihn an meinem Mann auslassen (auch schlecht) oder ich schreibe ihn mir von der Seele. Sei es in einem gesonderten Dokument, sei es in dem aktuellen Projekt, Hauptsache ist, ich kann mich abreagieren, ohne dabei meiner Umwelt zu schaden.

Das sind gute Gründe, an diesem Hobby zu hängen, finde ich.

Derzeit hänge ich schreibtechnisch allerdings in der Luft. Die Muse ist nicht geneigt, mich zu küssen, und ich habe kein aktuelles Projekt, mit dem ich mich intensiv beschäftigen könnte. Dieser Zustand hält erst einige Tage an – noch nicht so lange, dass ich Angst hätte, er könne bleiben – aber dadurch hat sich bereits jetzt eine Menge Frust angesammelt, der wie dunkle Wolken aus Stahlwolle irgendwo in meinem Herzen sitzt und darauf wartet, sich Bahn zu brechen. Noch bin ich geduldig. Es gibt einen großen Unterschied zwischen einer handfesten Schreibblockade und dem Gefühl, gerade eben nichts zum Schreiben zu haben. Ich könnte – ich weiß nur nicht, was. Das löst sich erfahrungsgemäß von selbst in Wohlgefallen auf. Ich muss nur durchhalten.

Was macht das Schreiben für euch zu einem tollen Hobby?

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