Mit Kritik umgehen

Ich will ganz ehrlich sein – wenn ich meine Texte weggebe, um sie (test)lesen zu lassen, ist da in mir immer eine kleine Stimme, die sagt: Eigentlich wünsche ich mir vor allem Lob. Dass mich Lob nicht weiterbringt, dass ich konstruktive Kritik brauche, um mich selber zu verbessern, und dass nichts so perfekt ist, dass es wirklich gar keine Makel hat, das weiß ich auch. Aber in jedem meiner Texte steckt Herzblut und es tut weh, sie kritisiert zu sehen.

Dabei ist konstruktive Kritik doch die einzige Möglichkeit, sich selber zu verbessern. Lesende von außen sehen Fehler und Probleme, die mir als betriebsblinder Autorin, die zudem in ihre Charaktere verliebt ist, gar nicht auffallen. Wenn ich testlesen lasse, dann bitte ich ja sogar um konstruktive Kritik.

Was ist konstruktive Kritik?

Konstruktive Kritik bedeutet, die Dinge fair, sachlich und lösungsorientiert anzusprechen. Dazu gehören sowohl eine wohlwollende Absicht als auch ein freundlicher Ton – aber unbedingt auch Ehrlichkeit, denn es hilft nichts, jemanden über den grünen Klee zu loben, der eigentlich Unterstützung bräuchte, um sich weiterzuentwickeln und etwas zu verbessern. Sie ist positiv formuliert und nicht auf Zerstörung und Erniedrigung ausgelegt, sondern darauf, der kritisierten Person zu helfen.

Im Gegensatz steht destruktiv formulierte Kritik, die wirklich nur darauf abzielt, die kritisierte Person zu erniedrigen und zu demütigen, während die kritisierende Person sich selbst erhöht. Unnötig zu erwähnen, von welcher Art Kritik man profitiert und von welcher nicht.

Wie damit umgehen?

Und doch… Ganz egal, wie positiv und konstruktiv Kritik formuliert wird, sie tut oft trotzdem weh. Wie also damit umgehen? Schließlich will man von den Anmerkungen seiner Testlesenden profitieren und daran wachsen.

Oft hilft es, die Kritik einmal durchzulesen, dann tief durchzuatmen und erstmal etwas anderes zu machen. Auf diese Weise muss man sich nicht gleich intensiv damit auseinandersetzen, was andere Leute am eigenen Text oder Schreibstil zu bemängeln haben, sondern kann sich sammeln und dann in einem ruhigen Moment darauf eingehen. Das ist auch der Grund, warum ich Rückmeldungen zu meinen Texten immer schriftlich möchte. Ich brauche einfach Zeit, um mich emotional darauf vorzubereiten, und das geht nicht immer sofort. Wenn ich einen stressigen, anstrengenden Tag hatte, dann kann ich abends nicht auch noch sachlich mit Kritik an einem Text umgehen. Vielleicht setze ich mich dann lieber mit einem Buch aufs Sofa und gehe am nächsten Tag ausgeruht an die Kommentare der Testleserinnen – davon haben am Ende alle mehr, denn dann kann ich mich konzentrieren und das Feedback wirklich annehmen, um daran zu wachsen und mich zu verbessern, und die Arbeit der Lesenden war nicht umsonst.

Und in Person?

Schwieriger ist es natürlich, mit Kritik umzugehen, die live und mündlich gegeben wird. Da kann man nicht immer sagen „Okay, ich atme jetzt erstmal durch und denke darüber nach, was du gesagt hast, und wenn ich mich entsprechend fühle, werde ich darauf eingehen.“

Ich selber ertappe mich immer wieder dabei, dass ich automatisch in eine Verteidigungshaltung gehe, egal, wie positiv und freundlich mein Gegenüber ist. Damit ist am Ende natürlich keinem geholfen.

Erfahrungsgemäß hilft es auch im „echten Leben“, kurz einen Schritt zurückzutreten, durchzuatmen und sich zu sammeln. Wenn die Person, die einen kritisiert, es wirklich gut meint, wird man auf Verständnis stoßen. Wichtig finde ich vor allem, Kritik einfach auch mal zuzulassen und nicht automatisch empört von sich zu weisen.

Wie geht ihr mit Kritik um? Fällt es euch leicht, sie anzunehmen, oder fühlt ihr euch schnell vor den Kopf gestoßen?

4 Gedanken zu “Mit Kritik umgehen

  1. Benny

    Ich weiß genau, was du meinst. Ohne Kritik kommt auch kein Fortschritt. Als ich damals meine ersten Gedichte (mit 13 oder 14) in einem Forum veröffentlicht habe, fingen die meisten Kommentare der „alten Hasen“ mit „Das Thema ist sehr gut gewählt, auch die Wortwahl ist an vielen Stellen sehr schön, aber“ an.
    Das war ein wenig seltsam, denn bisher kam die einzige „Kritik“ von Lehrern im Deutschunterricht, die mir aber einfach eine 1 gegeben haben und das war es auch schon. Aber besonders Dank diesen alten Hasen habe ich mich verbessert, mein Wissen erweitert und war irgendwann an einem Punkt, an dem ich ihre Gedichte gelesen habe und Kommentare anfangen konnte mit „Das Thema ist sehr gut gewählt, aber…“.

    Jede Kritik tut weh, da stimme ich dir zu. Auch wenn sie konstruktiv ist. Auch wenn sie einem nur helfen soll. Aber ich denke, es kommt auch drauf an, wem man seine Werke zeigt. Ich habe ein paar Leute, die ebenfalls schreiben. Die einen mehr und die anderen weniger. Bei denen weiß ich aber, dass ihre Kritik Hand und Fuß hat, während andere, denen ich meine Werke zeigen, eigentlich keine wirkliche Kritik geben können. Oder sagen wir: Keine detaillierte Kritik. Denn sie können mir nur sagen, was sie beim Lesen gefühlt haben. Das ist ziemlich vage, aber es ist zumindest ein Anhaltspunkt.

    Gefällt 1 Person

    1. Du hast Recht, es ist auf jeden Fall wichtig, wem man seine Sachen zeigt und wer die Person ist, die einen da kritisiert. Oft ist es ja doch leichter, Kommentare von jemandem anzunehmen, den man selber wirklich respektiert und der/die wirklich Ahnung von der Materie hat, sei es jetzt inhaltlich oder rein aufs Schreiben als Handwerk bezogen.

      Was die detaillierte Kritik angeht – das ist auch ein guter Punkt. Je besser und genauer Anmerkungen begründet sind, desto weniger tun sie weh und desto eher kann man daran wachsen. Wenn man nur gesagt bekommt „Die Szene finde ich doof, die ist langweilig“, hilft das herzlich wenig. Aber wenn jemand erklärt, warum diese Szene ihre Längen hat und dass sie zwar wichtig zu sein scheint, um diesen oder jenen Charakter den Lesenden näher zu bringen, aber man das doch vielleicht auch anders lösen könnte – das ist ja etwas ganz anderes.

      LG Anna

      Gefällt mir

    1. Danke!
      Ich finde, es ist auch gar nichts dabei, zuzugeben, dass man sich nach Anerkennung sehnt. Das ist ein ganz normales Bedürfnis, das man sich auch zugestehen sollte. Wenn man sich das bewusst macht, ist es vielleicht auch ein bisschen leichter, mit Kritik umzugehen…
      LG Anna

      Gefällt 1 Person

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