Verlag oder Selfpublishing?

Es ist so weit – nach unfassbaren fünf Monaten habe ich die Rohfassung meines Near Future Thrillers beendet. Mit 160.000 Wörtern ein Buchbaby, das noch dringend abspecken muss, doch das ist eine Aufgabe für einen späteren Zeitpunkt. Zwischen der Rohfassung und der Überarbeitung sollte ein bisschen Zeit liegen, damit man Abstand gewinnen kann.

In dieser Zeit kann ich mich einer großen, schweren Frage stellen: Und dann?
Was fange ich an mit dem Roman? Ich habe noch nie so lange an etwas geschrieben, noch nie so eine umfangreiche Geschichte umgesetzt. War mir noch nie so sicher: Das, was ich geschrieben habe, ist gut. Gut genug für eine Veröffentlichung? Auf jeden Fall!

Und nun schwanke ich zwischen den Optionen Selfpublishing und Veröffentlichung bei einem Verlag. Weder mit dem einen noch mit dem anderen habe ich bisher Erfahrung, sieht man von einigen wenigen Kurzgeschichten mal ab. Aber eine Kurzgeschichte in einer Anthologie ist nochmal etwas ganz anderes als ein ganzer Roman.

Bisher war mir immer klar, dass ich es, wenn überhaupt, bei einem Verlag versuchen will. Das hat mehrere Gründe. Wenn ich es erstmal in einen Verlag schaffe, wird sich von dort aus um so Sachen wie Lektorat, Korrektorat und Coverdesign gekümmert, ohne, dass ich dafür Geld aufwenden müsste. Zusätzlich hätte ich die Gewissheit: Okay, auch Profis im Gebiet Unterhaltungsliteratur finden das, was ich geschrieben habe, gut. Das würde mir eine ganze Menge (vermutlich ungerechtfertigter) Angst nehmen.
Allerdings dauert es, einen passenden Verlag zu finden. Falls man es überhaupt schafft. Ich habe bereits eine Fantasy-Trilogie, die ich bei Verlagen unterbringen möchte. Habe ich Zeit und Energie, das mit zwei Projekten gleichzeitig zu versuchen? Unwahrscheinlich.

Die zweite Option lautet Selfpublishing. Das hätte den Vorteil, dass ich wesentlich schneller zum Ziel „Veröffentlichung“ käme. Allerdings bin ich dann für alles alleine zuständig, vom Korrektorat bis hin zum Buchsatz. Dazu gibt es rechtliche Rahmenbedingungen, von denen ich – seien wir ehrlich – keine Ahnung habe und in die ich mich genauestens einlesen müsste. Kostet das weniger Zeit und Energie? Kann ich mir nicht vorstellen.
Und dennoch reizt es mich. Mir einfach mal einen Ruck zu geben und zu sagen „Ich mache das, ich glaube an mich“, statt mich immer nur zurückzulehnen und darauf zu warten, Bestätigung von anderen Leuten zu kriegen. Damit kommt man nämlich nicht voran, das kann ich euch sagen.

Abschließend getroffen ist die Entscheidung noch nicht. Vermutlich brauche ich damit noch bis nach der ersten Überarbeitung. Große Entscheidungen waren noch nie meine Stärke. Trotzdem steht der Entschluss, dieses Buch zu veröffentlichen. Nicht noch eine Rohfassung für die Schublade! Vielleicht muss man sich irgendwann dazu zwingen, über sich selbst hinauszuwachsen und etwas zu probieren, vor dem man gehörigen Respekt hat.
In meinem Brotjob hat es gut funktioniert. Wieso nicht auch meine Schreiberei betreffend? Manchmal muss man Zuversicht haben.

Wie haltet ihr das? Habt ihr Erfahrungen mit Verlagen und/oder Selfpublishing? Wie seid ihr damals zu eurer Entscheidung gekommen?

7 Gedanken zu “Verlag oder Selfpublishing?

  1. Hallo Anna,
    herzlichen Glückwunsch zur fertigen Rohfassung!!!
    Ich bin mitten drin im Experiment Selfpublishing 🙂 Wenn du willst, können wir uns auch per Mail austauschen dazu. Ich hab zwar ein paar Verlage angeschrieben, war dann aber sehr ungeduldig, nachdem ich nach 5 Jahren (!) endlich fertig war mit recherchieren, schreiben und lektorieren. Wenn du einen Verlag suchen möchtest, sei der Weg über eine Agentur der beste, sagt man. Also zuerst Bewerbungen an Agenturen.
    Ich hab mich dann fürs Selfpublishing entschieden. Da gibt’s auch viele Möglichkeiten. Ich hab mit Print on Demand angefangen – ich hab Tredition gewählt, aber es auch bei Books on Demand und Tolino Media ist das ähnlich. Inzwischen weiß ich, dass viele Selfpublisher auf Amazon schwören und das meiste Geld mit E-Books verdienen. Und dann sind die Print on Demand-Bücher im Druck teurer und haben eine längere Lieferzeit. Deshalb, so hab ich gelesen, sind kleinere Auflagen und Vertrieb über einen Anbieter wie Nova auch eine Option. Wie gesagt, ich teste gerade Vers. 1. Vielleicht mach ich es beim nächsten Buch anders. Aber das dauert noch eine Weile, ich schreibe auch nur in der Freizeit 😉
    Aber alles in allem gefällt mir das Selfpublishing gut, denn ich gestalte auch gern und bin auch gern auf Social Media. Die Vermarktung hängt nämlich auch bei Verlagsautoren oft beim Autor, bei Selfpublishing erst recht.
    LG, Tala

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    1. Hallo Tala

      Das klingt ja spannend bei dir! So weit wie du bin ich noch lange nicht, aber ich würde mich über Austausch sehr freuen =)
      Ja, das mit der Vermarktung ist halt auch so eine Sache. Wenn man nicht absolutes Glück hat, geht man da bei den Verlagen unter und ist fast so sehr auf sich selbst gestellt wie beim SP…

      Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute für dein Buchbaby!
      LG Anna

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      1. Hallo Anna,
        das wünsch ich dir auf jeden Fall auch!!! Wenn du Geduld hast, versuch es zuerst bei den Verlagen/Agenturen. Dann hast du quasi eine Art Qualitätssiegel für dein Buch. Ansonsten hab ich festgestellt, dass Autor_innen heutzutage offenbar eine Art Community aufbauen bzw. sich einen Namen machen müssen, damit dann auch die nachfolgenden Bücher besser gesehen werden. Aber ich lerne auch noch und erkunde einfach alles.
        Ganz liebe Grüße,
        Tala

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      2. Ja, das mit der Geduld ist so eine Sache. Die habe ich bei diesem Projekt definitiv nicht. Aber ich denke, das wird schon werden, und wenn’s floppt, kann ich es immer noch unter „Erfahrung“ verbuchen 😉
        Ohne eine gewisse Vernetzung geht im SP gar nichts, das stimmt und das flößt mir auch gehörigen Respekt ein. Aber auch da hilft nur eins – ausprobieren!
        Ich wünsche dir einen schönen Sonntag!
        LG Anna

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