Zwei Projekte, große Ziele und die Selbstfürsorge

Als ich anfing mit der Schreiberei, war ich der festen Überzeugung, das ginge schnell. Ein Buch schreiben, es überarbeiten, testlesen lassen, es veröffentlichen. Zackbumm, sollte doch innerhalb eines Jahres getan sein, wenn überhaupt so lang.

Dann stellte ich fest, dass es nicht ganz so einfach ist, und begrub meinen Traum von einer Veröffentlichung trotzdem nicht. Immerhin habe ich einen Job, der mich ernährt, ich bin nicht darauf angewiesen, zu veröffentlichen und Geld zu verdienen. Das hat schonmal ein bisschen Druck aus der Sache genommen.

Zu diesem Zeitpunkt ging ich davon aus, dass es am Sinnvollsten sei, sich nur auf ein Projekt zu konzentrieren. Sprich, wenn ich ein Manuskript überarbeite, schreibe ich nicht parallel an einem anderen weiter. Auf diese Weise ist man effizienter und kommt schneller voran. Klingt eigentlich logisch, oder? Und lange Zeit bin ich damit auch echt gut gefahren.

Seit einigen Monaten allerdings habe ich Schwierigkeiten, mich nur auf ein Projekt zu konzentrieren. Könnte ich das, wer weiß, vielleicht hätte ich meine Fantasy-Trilogie längst bei einem Verlag untergebracht. Oder mein Near Future-Roman wäre schon längst bei Testlesenden. Wer weiß…

Da es gerade aber nicht geht, musste ich mich damit abfinden. Momentan schreibe ich den zweiten Teil der Near Future-Dystopie, während ich den ersten überarbeite. Und erstaunlicherweise klappt das ziemlich gut, was ich nie erwartet hätte. Ich habe wenig Probleme damit, die unterschiedlichen Erzählstimmen einzufangen, und kann gut von einfach schreiben auf kritisch lesen und verbessern umschalten. Wenn ich auf das eine keine Lust habe, kann ich mich mit dem anderen beschäftigen. Ob das auch so einfach ginge, wenn ein Projekt Fantasy wäre und das andere eine Dystopie, das wage ich allerdings zu bezweifeln.

Ist das effektiv? Rein subjektiv betrachtet komme ich nicht so schnell voran, wie ich es gewohnt bin. Allerdings habe ich auch ziemlich viele andere Sachen um die Ohren und bin ohnehin nicht so viel zuhause oder am PC wie früher.

Auf jeden Fall ist es entspannter. Der Druck ist weg, dieses Gefühl von Wenn ich nicht weiter überarbeite, kann ich noch länger nicht schreiben, das tut unglaublich gut. Im Sinne von gesunder Selbstfürsorge ist es auch absolut in Ordnung, sich selbst kleinere Ziele zu stecken oder sich mehr Zeit zu lassen. Oder den Plan anzupassen, wenn man feststellt, dass andere Dinge gerade Priorität haben.

Wichtig ist nur, dass man dabei sein Ziel nicht aus den Augen verliert. Ob als Sprint oder als Marathon, irgendwann will man ja doch ankommen, und wenn besagtes Ziel wirklich wichtig ist, dann klappt das auch.

Mein Ziel – die Veröffentlichung – werde ich ganz sicher nicht in einem Sprint erreichen. Na und? Dann dauert es eben länger. Sich Zeit zu geben ist nicht dasselbe wie aufzugeben. Nur, weil man nicht schon mit fünfzehn Jahren den ersten Bestseller geschrieben hat, heißt das ja nicht, dass man schlecht ist oder schlechtere Chancen auf dem Buchmarkt hat. Wenn ich es schaffe, ein Buch zu veröffentlichen, bevor ich dreißig bin, bin ich schon zufrieden mit mir selbst. Und darauf kommt es am Ende doch an.

Wie haltet ihr das? Arbeitet ihr immer nur an einem Projekt oder könnt ihr mehrere gleichzeitig jonglieren?

4 Gedanken zu “Zwei Projekte, große Ziele und die Selbstfürsorge

  1. Man muss seinen eigenen Rhythmus finden. Roman(e) schreiben ist ja – wie du schon sagtest – kein Einmal-Ereignis, sondern in den meisten Fällen eine dauerhafte Leidenschaft. (Ich werde schon froh sein, wenn ich meine erste Geschichte vor meinem 50. veröffentliche. 😉 )

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    1. Ja, das stimmt. Und wenn man den Rhythmus erstmal gefunden hat, läuft’s ja meistens auch ganz gut 😉
      Und wie gesagt – manche sprinten und manche machen einen Dauerlauf daraus. Niemand hetzt einen. Ob mit 15, mit 30, mit 50 oder mit 80, die Hauptsache ist in meinen Augen, dass man zufrieden ist mit dem, was man da veröffentlicht.

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